Ruth Wodak Die schamlose Normalisierung von Verschwörungsnarrativen: Überlegungen aus der Diskursforschung
Fr 02.10.2026, von 19:30 bis 21:30 Uhr
Wir bitten um Anmeldung bis zum 25. September unter dipsat2026@psychoanalyse.or.at
Haus der Ingenieure
1010Wien - Innere Stadt, Eschenbachgasse 9
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Der Vortrag beschäftigt sich mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Widersprüchen und Verschwörungsnarrativen, die in der heutigen Zeit – nicht erst seit der Covid-Pandemie – Konjunktur besitzen.
Da ein Diskurs nicht neutral oder frei von Interessen ist, immer auch mit verschiedenen Arten von Machtausübung (und Ungleichheit) verwoben, schlagen sich einerseits ungleiche Machtverhältnisse nieder, andererseits wird im Diskurs ausverhandelt, welche Bedeutungen gesellschaftlich akzeptiert werden und welche nicht. Diese unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichen die Koexistenz widersprüchlicher Deutungsangebote innerhalb eines gesellschaftlichen Diskursraums. Zu solchen Deutungsangeboten gehören auch Verschwörungsnarrative, die sich als radikaler Widerspruch inszenieren und zur Delegitimierung von Fakten führen. Aber was macht Verschwörungsnarrative so attraktiv? Sie bieten einfache Erklärungen, klare Feindbilder und symbolische Entlastung von historischer Schuld. Die wissenschaftliche, politische und zivilgesellschaftliche Herausforderung besteht nun darin, diese Entwicklungen konsequent zu benennen, aufzuarbeiten, zu dekonstruieren und in den vielen vorhandenen Öffentlichkeiten bewusst zu machen – bevor sich diese Erzählungen (schamlos) normalisieren und institutionalisieren.
RUTH WODAK, Em. Distinguished Professor of Discourse Studies (Diskursforschung), Lancaster University (UK) und o. Univ. Professorin i.R. für Angewandte Linguistik, Universität Wien, ist Trägerin einer Vielzahl von Preisen, u.a. des Wittgenstein-Preises für Elite-WissenschaftlerInnen und des Großen Silbernen Ehrenkreuzes für Verdienste um die Republik Österreich. 2018 erhielt sie den Lebenswerk-Preis des Frauenministeriums, im Juni 2021 den Bruno-Kreisky- Preis für ihr publizistisches Gesamtwerk. Sie hatte zahlreiche Gastprofessuren mit Forschungstätigkeit in den Gebieten von kritischer Diskursforschung, Populismusforschung, Gender Studies und linguistischer Vorurteilsforschung zu Rassismus und Antisemitismus und eine Reihe von Publikationen. Weitere Informationen unter http://www.lancaster.ac.uk/linguistics/about-us/people/ruth-wodak.